Welche Wirkung hat das therapeutische Puppenspiel?

Puppen und Puppenspieler sind seit Urzeiten überliefert und haben für Erwachsene und Kinder eine magische Ausstrahlung. Es ist auch weltweit bekannt, dass Puppen eine therapeutische Wirkung auf Leute jeden Alters haben können, da sie ein Abbild von Menschen sind. Jede Puppe hat ihre ganz eigene Persönlichkeit, ihren Charakter und verhält sich entsprechend individuell. Puppen können so zum Menschenersatz werden, Menschen wie man sie sich je nach Situation gerade wünscht.

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Puppen müssen gehorchen, Wiederspruch ist nicht erlaubt

Einfache Puppen, die etwa nur gestrickt wurden oder aus Holz, Stroh und sonstigen Materialien hergestellt sind, lassen viel Spielraum offen, die Puppe mit der eigenen Phantasie so zu sehen, wie es einem beliebt. So zum Beispiel von den Ureinwohnern aus Brasilien, wo Puppen lediglich aus Palmblättern gefertigt sind. Nur die Brüste werden mit Wachs modelliert bzw. nachgeahmt. Dadurch wird dem Zuschauer ein sofortiges Auseinanderhalten ermöglicht.

Laut wissenschaftlichen Untersuchungen sind die Augen der Eltern das Erste was ein Kleinkind scharf erkennen kann. So verwundert es auch nicht, dass den Augen von Puppen eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Aus diesem Grund haben auch ganz primitiv gefertigte Puppen immer mindestens zwei Augen, sie bringen ein gewisses Leben in eine Puppe.

Dadurch ist es eigentlich recht naheliegend, dass Puppen sowohl in der Pädagogik, als auch in der Heilpädagogik erstaunliche Ergebnisse liefern. Auch in der Therapie von psychisch kranken Personen werden Puppen eingesetzt. In der „Magie“ von rückständigen Völkern werden bspw. durch Schamanen, anhand von Puppen, Menschen nachgebildet. Dies hat zur Folge, dass deren Zauber eindringlich wirken kann. Ganz egal wie eine Puppe ausschaut, Kinder ordnen dieser Puppe gleich einem Menschen zu. Das können die Eltern, Geschwister oder auch andere Personen aus dem direkten Umfeld sein.

Ein Puppenspiel zur Therapie

Die Idee, Puppen gezielt in der Pädagogik und zu verschiedenen Therapien einzusetzen, stammt ursprünglich aus Amerika und wurde um 1920 auch in Europa übernommen. Einer der Vorreiter dieser Idee war ein gewisser J. L. Moreno, der 1974 verstarb. Die Idee dazu lieferten Kinder, die sich ganz ungezwungen mit Puppen und deren Rollenspielen beschäftigten. Eigene Empfindungen und Gefühle der Kinder werden auf die Puppen übertragen, sie nehmen die Stelle der Kids ein. Man könnte auch sagen, unsichtbares wird sichtbar gemacht. Ängste, Freude, Trauer oder auch Wut werden in einer Art Psychodrama visuell dargestellt. So lässt sich schon sehr genau erahnen, was sich in einem Kind abspielt. Moreno hat durch den natürlichen Spieltrieb der Kinder herausgefunden, dass es ihnen wesentlich leichter fällt, sich in der Person einer Puppe zu öffnen und sich auszutauschen. Wenn Kinder untereinander spielen, sind sie sehr ehrlich. Bei Erlebnissen, die noch nicht ausreichend verarbeitet wurden, fällt es Kindern leichter, das Erlebte über eine Puppe preiszugeben. Die Puppe spricht dann unbewusst im Namen des Kindes.

Oft können Kinder mit Worten nicht ausdrücken, was sie eigentlich sagen möchten. Das mag am fehlenden Wortschatz liegen oder auch daran, dass das Kind behindert oder geistig zurückgeblieben ist. Die Betroffenen versuchen mit Gesten oder Mimik das zum Ausdruck zu bringen, was sie nicht in Worte fassen können. Handpuppen hingegen erleichtern die nonverbale Kommunikation. Die Kinderpsychotherapie bedient sich seit langer Zeit an Kinderzeichnungen, um zu verstehen, was ein Kind gerne zum Ausdruck bringen möchte. Heutzutage ist man auch dazu übergegangen, anstelle von direkten Dialogen, das Gespräch via Handpuppen zu suchen. Die Kinder lassen sich so viel einfacher und auch genauer „aushorchen“. Kinder sind eher bereit mit einer Puppe zu sprechen, als sich einem womöglich fremden Erwachsenen zu öffnen.

Wie findet man heraus, was Kinder wirklich denken?

Um herauszufinden was ein Kind innerlich beschäftigt, muss die Ursache zuerst diagnostiziert werden. Was das Kind möglicherweise im direkten Fragespiel nicht preisgeben wird, kann mit einer Puppe spielerisch entlockt werden. Hier besteht so gut wie keine Hemmschwelle. Das Kind geht davon aus, dass die Puppe verschwiegen ist und nichts an erwachsene Personen weitergibt; dadurch erzählt ein Kind unbewusst das, was es eigentlich gar nicht preisgeben möchte. Durch ein zusammengestelltes Set, das aus Puppenstubeninhalt, Spielmaterial und auch kleinen biegsamen Puppen (u. a. Babypuppen, Opa- und Oma-Puppe, aber auch Polizist und Arzt etc.) besteht, können sich die Kinder ihre eigene Welt aufbauen. Die Interpretation ist eine Sache der klassischen psychoanalytischen Einschätzung, wobei das Alter uns das Entwiklungsstadium des Kindes berücksichtigt werden muss. So können Rückschlüsse gezogen werden, mit welchem Entwicklungsthema sich das Kind zurzeit auseinandersetzt.

Diese Rückschlüsse sind jedoch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, da sich nicht immer mit absoluter Sicherheit bestimmen lässt, was nun real nachgespielt wird und was der Phantasie des Kindes entspringt. Solche Ableitungen sind subjektiv zu betrachten, auch, wenn es sich bei den dargestellten Personen um die Eltern des Kindes handelt. Wenn nun zum Beispiel eine böse Puppenmutter ein Puppenkind züchtigt, heisst dies nicht zwangsläufig, dass das Kind von seiner Mutter auch wirklich geschlagen wird oder wurde. Es kann ebenso bedeuten, dass eine Zurechtweisung des Kindes durch die Mutter übertrieben dargestellt wird oder das Kind sich vorstellt, was im schlimmsten Fall passieren könnte, wenn es unartig ist.

Bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch an Kindern wird mit anatomisch gut nachempfundenen Puppen gearbeitet. Wenn nun ein Kind eine Körperöffnung einer Puppe besonders interessant findet und sich damit beschäftigt, kann dies auch eine natürliche Neugierde sein; einen direkten Zusammenhang zu einem Missbrauch zu schließen, wäre sicherlich etwas übereilt, wobei davon ausgegangen wird, dass das Kind eigentlich nur das nachspielen könne, was es bereits kennt oder erlebt hat. Wie auch immer, die ersten Eindrücke sind definitiv subjektiv zu betrachten; dasselbe gilt auch bei Zeichnungen von Kindern. Was ein Kind nun darstellt, kann einen theoretischen Hintergrund haben und je nach den Umständen kann es auch nachvollzogen werden. Weitere Abklärungen sich jedoch unumgänglich.

Wozu eignen sich Puppen noch, sind sie therapeutisch einsetzbar?

Puppen eignen sich hervorragend um Diagnosen zu stellen. Sie werden auch allgemein, als unterstützende Maßnahme, bei Therapien herangezogen. Spielerisch kann - aus heilpädagogischen Aspekten - gesteuert werden, wie sich ein Kind verhalten sollte. Was die Puppe nicht darf, ist auch dem Kind untersagt – zumindest wird dies so von Kindern verstanden. Dadurch kann Einfluss auf das Kind genommen werden. Kein anderes Medium eignet sich besser, um ein Kind ohne Zwang zu beeinflussen. Besonders in der Sprachheilpädagogik werden erstaunliche Resultate erzielt. Kinder die stottern vergessen oft – während sie in der Therapie agieren - dass sie eigentlich stottern. Hinter der Bühne sind sie für die Mitmenschen unsichtbar, das suchen nach Worten entfällt sehr oft, sie sprechen ganz normal. Die Angst dauernd beobachtet zu werden kann der Auslöser des Stotterns sein. Das Kind versetzt sich in die Person der Puppe; das Kind selbst fühlt sich nicht mehr beobachtet, das Sprechen fällt ihm wesentlich einfacher, es versteckt sich quasi hinter der Puppe. Die Puppe verschafft dem Kind Mut, um zu sagen was es eigentlich möchte, Liebe zu suchen oder auch mal richtig böse zu werden. Alles was das Kind sich normalerweise nicht traut, ist unter dem Schutz der Puppe möglich.

Erleichtert eine Handpuppe die Kommunikation mit den Kindern oder anderen Menschen?

Ob in einer Gruppe oder bei Einzelpatienten/innen finden die Therapeuten durch die Puppen einen einfacheren Zugang. Die Puppe fungiert als Vermittler, das Kind spricht mit der Puppe und nicht direkt mit dem Therapeuten. Besonders schüchterne oder gar etwas ängstliche Kinder, aber auch erwachsene Personen, können auf diese Weise einfacher einen „Draht“ zum Therapeuten finden. Ganz besonders gut eignet sich diese Methode bei autistischen Kindern, die ganz schwierig sind, denn sie lassen kaum einen fremden Menschen an sich ran und sind überhaupt nicht bereit, ausgenommen ihre Bezugsperson, mit jemandem zu sprechen.

Anfänglich sind auch Puppen fremde Personen, besonders autistische oder auch Kleinkinder können schon mal etwas Angst haben. Auch der erste Kontakt zu einer Puppe muss mit viel Feingefühl hergestellt werden. Das Vertrauensverhältnis vom Patienten zur Puppe muss vorsichtig und langsam aufgebaut werden, erst, wenn dies gelungen ist, wird der sich der Patient der Puppe öffnen. Die Ziele in der Pädagogik, wie auch in der Therapie, sind sehr unterschiedlich. Das Puppenspiel ist ein Mix, der beide Varianten fördert und unterstützt. So simpel das Ganze auch ist, so effektiv sind die Erfolge. Professionelle Psychologen und Therapeuten, als auch betreuendes Personal und Familienangehörige machen sich dies zu nutzen, dadurch einen besseren Zugang zu den kleinen und großen Patienten zu finden. Kinder hingegen finden zu Puppen ein wesentlich schnelles Vertrauensverhältnis. Die Kinder versuchen ihre Denkweise auf die Puppe zu übertragen und diese Puppe wird dann an ihrer Stelle mit den Erwachsenen sprechen.

Auch in der Arbeit mit erwachsenen Personen, die Probleme haben, wie z. B. im Umgang mit Alkohol, aber auch bei älteren Menschen, können verblüffende Erfolge erzielt werden. Durch die Puppen entsteht eine ganze Palette von Möglichkeiten, die entsprechend der Problematik des Patienten genutzt werden kann. Auch die Therapie ist in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gestaffelt, denn alle Menschen sind bekanntlich unterschiedlich. Eine Option ist eine Theateraufführung, die jedoch nur in einer Gruppentherapie realisierbar ist. Hier kann eine individuelle Rollenverteilung vorgenommen werden. Zum Beispiel Rollen ohne Text, die Musik dazu machen oder auch ein Tier darstellen. Es braucht aber auch immer Helfer, die je nach Neigungen und Fähigkeiten bestimmt werden können. So werden z. B. auch Helfer hinter den Kulissen wie Bühnenbilder, Visagisten und dergleichen benötigt.

Eine Stufe höher angesiedelt sind Puppenaufführungen oder auch Schattentheater. Dies erfordert von den Patienten höchste Konzentration und den Willen für eine Zusammenarbeit. Hände und Augen werden gefordert, ist dann noch ein vorgegebener Text zu sprechen, kann es schon Mal vorkommen, dass der eine oder andere Patient überfordert ist, was aber keine Rolle spielt - solange die Freude am Spiel nicht verloren geht. Bei so einer Aufführung geht es nicht darum ein Stück genau nach „Drehbuch“ wiederzugeben. Das Resultat ist recht nebensächlich. Es soll den Patienten vermitteln, dass sie gebraucht werden. Darüber hinaus soll das Rollenspiel allen Beteiligten Spaß und Freude bringen. Aus therapeutischer Sicht ist es wichtiger, die Phantasie der Patienten anzuregen; sie sollen versuchen die Figur, die sie darstellen wollen, selbst zu basteln. Da wird handwerkliches Geschick gefordert, Kreativität ist gefragt und es braucht auch den Willen und die Geduld etwas zu Ende zu bringen. Wer das schafft wird sich freuen etwas einmaliges ganz alleine gemacht zu haben. Die Vorfreude auf weitere Aufgaben und Verantwortlichkeiten ist geweckt.

Wichtig ist auch, dass die Patienten bereits bei den ersten Proben ihre „Scheu“ verlieren. Eine Probe im freien Raum hilft auch Bewegungsängste zu mindern. Eine weitere Option besteht darin, dass die Patienten auch einen Rollentausch vornehmen. So kann sich jeder seine Figur aus einer andern Perspektive ansehen, was unter Umständen neue Ideen sprudeln lässt, wie die Figur noch besser aussehen könnte. Puppenspieler, Puppe und auch Zuschauer, können sich gegenseitig identifizieren, wobei die Puppe im Mittelpunkt steht. Die Zuschauer versuchen sich in die Geschichte der Puppe zu versetzen, die erzählt werden will. Was nun Wirklichkeit oder Wunschdenken ist, muss jeder Zuschauer für sich selbst versuchen herauszuhören.

Ein Puppenspiel darf keinesfalls mit einem Kasperletheater verwechselt werden. Es bestehen elementare Unterschiede zum Puppenspiel und dem Kasperletheater, so hat der Kasperle die Aufgabe zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, was er meistens mit einem erhobenen Zeigefinger macht. Genauso falsch wäre es, wenn eine Puppe diese Rolle übernehmen würde, das hätte dann mit der psychologischen Therapie überhaupt nichts mehr gemein. Die Puppe soll die Gefühle des Puppenspielers widerspiegeln und nicht über Recht oder Unrecht urteilen, tadeln oder gar strafen. Ein Puppentheater ist mit einem Puppenspiel nicht vergleichbar. Ein Puppentheater hat immer eine vorgegebene Geschichte, die mehr oder weniger eingehalten werden sollte. Das Puppenspiel gibt allenfalls eine Richtung vor, wie das „Gespräch“ etwa verlaufen soll. So kann je nach Situation immer wieder auf ein anderes Thema umgeschwenkt werden. Der Therapeut ist irgendwie so eine Art Talkmaster, der die Handlung in die gewünschte Richtung lenkt, ohne jedoch zu fest Einfluss zu nehmen, wobei die eigentliche Thematik (quasi die Darstellung der Charaktere).beibehalten wird.

Das therapeutische Puppenspiel – Der Ablauf

Auch das therapeutische Puppenspiel ist nicht mit einem Puppentheater zu verwechseln. Hier geht es in erster Linie darum dem Patienten, Kind oder Erwachsener spielend zu entlocken, worüber er eigentlich nicht sprechen möchte. Damit sollen Konflikte gelöst und Spannungen abgebaut werden. Die Puppen werden i. d. R. personifiziert, so kann z. B. eine Hexe von einem Kind, als die eigene Mutter, gesehen werden. Die böse Hexe muss natürlich irgendwie bestraft werden. Der Spieler personifiziert die Puppe nach Lust und Laune, es gibt keine Regel und kein Skript, keine Kritiken und auch keine Zuschauer. Der ganze Disput verläuft nach der jeweiligen Verfassung des Kindes oder des Patienten. Der Therapeut ist eine neutrale Drittperson, er soll versuchen zu verstehen, was das Kind vermitteln möchte - wobei Gesten und Mimik ebenfalls einiges aussagen können.

Geschulte Therapeuten wissen wie sie sich verhalten sollen, sie dürfen nie das Zepter in die Hand nehmen; der Hauptakteur ist immer das Kind. Der Therapeut ist lediglich ein geduldeter Mitspieler. Seine Aufgabe bestehen darin zuzuhören, zu beobachten und eventuell auch Anregungen zu geben, mehr aber nicht. Kinder die eine solch schwierige Lebensphase durchleben müssen, brauchen eine Bezugsperson mit psychologischem Fachwissen und sehr viel Einfühlungsvermögen. Was die kleinen Patienten so von sich geben, kann mitunter belanglos und langweilig sein - doch plötzlich können Stichworte auftauchen, die den Therapeuten hellhörig werden lassen und Hinweise auf die eigentliche Problematik geben. Hier kann dann der Therapeut vorsichtig eingreifen und das Spiel weiter in diese Richtung lenken. Es braucht lediglich ein paar unterschiedliche Puppen, um das Spiel zu spielen. Je nach dem was das Kind beschäftigt, wird es sich die entsprechende Puppe selbst wählen. So reichen jeweils 2 - 3 männliche und weibliche Puppen, die freundlich und böse aussehen, dazu eventuell noch Puppen in der Gestalt von Kindern, die den Bruder oder die Schwester darstellen könnten. Mehr braucht es dazu nicht.

Das Puppentheater erzählt eine genau definierte und vorgegebene Geschichte. Dem Spieler bleibt wenig Spielraum für eigene Interpretationen. Das aufgeführte Stück kann für die Zuschauer lustig, aber auch sehr langweilig sein. Anders das Puppenspiel, welches im ganz intimen Rahmen - zwischen dem Patienten und den Therapeuten - stattfindet, aber auch Vorführungen mit Publikum sind möglich. Hier liegt auch eine Geschichte zu Grunde, die aber von den Spielern je nach Lust und Laune abgewandelt werden können. Die Figuren müssen nicht fertig ausgestattet sein, es reicht, wenn Mann oder Frau, gut oder böse klar erkennbar sind. Der Rest ist der Phantasie überlassen, so kann die Stimme der Puppe angepasst werden, wie auch dessen Bewegungen. Dadurch können – mit viel Interpretation – unverwechselbare Charaktere geschaffen werden.

Das alles können Puppen:

· Puppen können durch eine Diskussion führen.

· Puppen schlichten Streitereien

· Puppen haben eine eigene Meinung

· Puppen wagen gerne mal neue Erfahrungen

· Puppen können schon mal dämliche Fragen stellen

· Puppen sind manchmal auch schüchtern

· Puppen haben gelegentlich ein freches Mundwerk

· Puppen können auch trösten

· Puppen können uns auch ein Lachen entlocken

· Puppen können traurig sein und weinen

· Puppen sind manchmal sehr mutig

· Puppen haben gelegentlich auch Angst

· Puppen sind manchmal schwach

· Puppen können auch stark sein

· Puppen können klug sein

· Puppen sind gelegentlich auch dumm

· Puppen können sehr lieb sein

· Puppen sind manchmal auch richtig böse

Puppen haben es gut, sie können tun und lassen was sie wollen. Wir, als Menschen, dürfen nur das machen, was die Netiquette hergibt. Ein Mensch darf nicht gegen die „Spielregeln“ verstoßen. So übernehmen Puppen stellvertretend die Persönlichkeit von Kindern, sie führen die Wünsche der Kinder aus und das ohne ein Donnerwetter erwarten zu müssen. Umgekehrt kann aber auch der Therapeut seine Message über die Puppe an das Kind vermitteln und bleibt so in den Augen des Kindes außen vor, da er das Kind nicht direkt anspricht. Die Puppe darf jedoch keinesfalls missbraucht werden, um einem Kind irgendwelche pädagogische Massnahmen aufzwingen zu wollen, dass würde das Vertrauen zur Puppe ganz schnell schwinden lassen.

Welche Arten von Puppen gibt es?

Die Handpuppe

Es wurde herausgefunden, dass es therapeutisch sinnvoll ist, wenn sich die Patienten ihre Puppe in Handarbeit selbst fertigen. So ist schon ein erster Eindruck auf das dreidimensionale Innenleben des Patienten möglich. Man geht davon aus, dass auch ein Kind ab ungefähr 4 Jahren in 2 - 3 Therapiesitzungen eine Puppe zum Leben erwecken kann; derselbe Zeitraum gilt auch für ältere Personen, die in Handarbeit etwas sehr ungeschickt sind. Die Herstellung einer Puppe kann dem Patienten erste Erfolgserlebnisse bringen. Auch eine Bindung zur Puppe ist bereits entstanden. Da erwachsene Personen länger über die Gestaltung nachdenken, kann es durchaus sein, dass sie etwas länger brauchen. Kinder überlegen nicht lange, die erste Idee wird gleich realisiert.

Da sich ein Kind bei der Herstellung auch direkt mit der Puppe beschäftigt, ist es für das Kind auch kein Problem, sich mit dieser Figur zu identifizieren. Die fertige Puppe kann nun über die Hand gestreift werden und beginnt dadurch zu „leben“. Das Kind kann ab jetzt spielend erzählen, was es beschäftigt. Auch für erwachsene Patienten kann der Dialog sofort beginnen. Sobald die Handpuppe im „Einsatz“ ist, findet für das Kind eine Verwandlung statt; es ist nicht mehr das Kind, es ist die Puppe und kann somit tun und lassen was es will, es wird keine Reaktionen irgendwelcher Erwachsenen nach sich ziehen. Alles ist erlaubt – auch dann, wenn es im realen Leben Verbote und Regeln gibt. Die Puppe darf also fluchen oder spucken – und nichts wird passieren. Für das Kind ist es richtig toll, dass Mal so richtig loslassen darf…

Welche Aufgaben hat der Therapeut?

· Der Therapeut muss ein guter Beobachter sein

· Er muss versuchen sich in das Kind hineinzuversetzen

· Er muss Gesten und Symbole deuten können, um alles zu einem Stück zusammenfügen zu können

· Die Geschichte des Kindes sollte erkennbar sein, damit alles etwas neu geordnet werden kann

· Der Therapeut sollte in der Lage sein neue Verhaltensmöglichkeiten aufzuzeichnen

· Die Problematik muss analysiert werden, um eine Lösung anbieten zu können

Die Alternative: Eine Marionette

Schön wäre es natürlich, wenn auch Marionetten von den Patienten selbst gefertigt werden könnten. Das lässt leider nicht immer umsetzen, da es Patienten auch am handwerklichen Geschick fehlen kann. Anders als bei einer Handpuppe, muss man sich bei dieser Herstellung etwas mehr bemühen. Auch die Geduld ist nicht bei allen gleich ausgeprägt, da kann es zu Frust und Unbehagen kommen. Die meisten würden also irgendwann aufgeben, somit kann auch keine Beziehung zur Marionette entstehen. Im schlimmsten Fall könnte dieser Frust auch kontraproduktiv sein, weil einige kein Interesse mehr an Marionetten haben werden. Marionetten sind schon etwas kompliziert herzustellen, auch das Spielen mit einer Marionette verlangt große Fingerfertigkeit (durch die ganzen Fäden, die der Bewegung dienen) und auch logisches Denken. Das heißt, dass der Spieler zwingend wissen muss, wie eine Marionette zu bewegen ist. Um eine Marionette so zu bewegen, wie man es sich vorstellt, braucht es viel Training und viel Geduld. Die Summe all dieser Nachteile zeigt auf, dass Marionetten allenfalls zur Unterhaltung dienen können, wenn sich dahinter gute Spieler befinden, für die Kids sind Marionetten doch eher nicht geeignet.

Dann gibt es noch die Schosspuppe

Im therapeutischen Bereich wird die Puppe vom Therapeuten geführt. Solche Puppen sind mit 60 - 80 cm doch relativ groß, sehr gut nachgebildet und auch mit Kleidern und Schuhen ausgestattet. Hier versetzt sich die erwachsene Person in die Rolle der Puppe und übernimmt die Vermittlertätigkeit. Es können über die Puppe natürlich Fragen gestellt werden, die das Kind dann der Puppe beantwortet. Man kann das Kind auch trösten oder ihm Mut zusprechen, es besteht auch die Möglichkeit dem Kind zu suggerieren es handelt sich bei der Puppe um ein Geschwisterchen. Solche Puppen eignen sich eigentlich recht gut dazu, um einen ersten Kontakt zum Kind aufzubauen. Die Führung solcher Puppen ist ähnlich schwierig, wie das Bewegen von Marionetten, denn die Bewegungsmöglichkeiten sind beschränkt. Kleine Kinder verlieren ganz schnell Mal das Interesse; dann wird es für den Therapeuten schwierig, das Kind bei Laune zu halten.

Allerdings, als „Notnagel“ und Helfer zur Überbrückung, sind solche Puppen doch recht gut, besonders dann, wenn ein kleiner Patient das erste Mal zu einer Sitzung erscheint und keine Ahnung hat, was das alles soll. So ist das Kind anfangs „abgelenkt“ und ein erster Kontakt kann geknüpft werden.

Puppen sind willenlos

Der Schöpfer einer Puppe kann mit ihr eigentlich machen, was er möchte. Die Puppe hat keine Möglichkeit sich zur Wehr zu setzen, sie ist ihrem Meister ausgeliefert. Die Puppe erhält stellvertretend Zuneigung, aber auch Abneigung, wie die Situation es eben hergibt.

Im therapeutischen Umfeld sind Puppen dazu gedacht unterschiedliche Rollen einzunehmen. So zum Beispiel:

· Identifikationspuppen

· Substitutionspuppen

· Protektionspuppen

· Aggressionspuppen

· Kinder wollen beschützt sein, dazu brauchen sie eine Protektionspuppe, was ein Teddybär sein kann oder auch eine Puppe in der Gestalt eines Gendarmen. Diese Puppen sind in der Lage, sie zu beschützen und notfalls auch zu kämpfen. Aber auch Phantasiefiguren aus der Moderne, wie etwa Superman oder Spiderman, können diesen Part in Form einer Puppe übernehmen. Genau so kann diese Beschützerrolle auch eine Puppe in der Gestalt von Oma oder Opa übernehmen, es muss sich einfach um eine Person handeln, zu der das Kind ein uneingeschränktes Vertrauen hat.

· Als Identifikationspuppen werden Puppen bezeichnet, mit denen sich ein Kind voll und ganz identifiziert. Das Kind schlüpft in die Rolle der Puppe und spielt sich in der Regel selber. Es handelt sich dann meistens um einen Zauberer oder auch eine Prinzessin oder Prinzen. Das muss aber nicht so sein, so ist es durchaus möglich, dass zum Beispiel auch eine verstoßene Person (Schwester, Bruder etc.) in der Puppe gesehen wird und das Kind versucht dessen Leiden etwas zu lindern. Grundsätzlich gibt die gespielte Person des Kindes Aufschluss darüber, wie sich ein Kind zurzeit fühlt und was es beschäftigt; dementsprechend wird auch die Puppe gewählt. So wird in der Regel die Puppe gewählt, mit der sich das Kind identifizieren möchte. Dasselbe gilt auch, wenn eine Puppe durch das Kind selbst gefertigt wird. Das Kind wird die Puppe so herrichten, dass es sich mit dieser identifizieren kann.

· Substitutionspuppen könnte man auch „Mitleidspuppen“ nennen, darin werden Personen gesehen, die immer wieder etwas Schlechtes erleben müssen, wie zum Beispiel Krankenhausaufenthalte. In solchen Fällen werden gerne Ärzte für diese Rolle ausgewählt. Solche Puppen helfen Kindern unangenehme Erfahrungen besser zu begreifen und zu verarbeiten. Ist ein Kind aggressiv, wird es eine Agressionspuppe in der Gestalt eines Bösewichts wählen. Die Puppe könnte dann z. B. ein Teufel sein oder auch eine Hexe. Diese Puppen helfen Aggressionen eines Kindes etwas zu kanalisieren und sind dann quasi ein „Blitzableiter“.

· Dann gibt es auch noch Puppen für Kinder, die ihre Aggressionen überhaupt nicht mehr unter Kontrolle haben und zu Wutanfällen neigen. An diesen „Verklopfpuppen“, können solche Kinder dann auch Mal richtig zuschlagen und das solange, bis die Wut abgebaut ist. Es liegt dann an dem Therapeuten herauszufinden, wen das Kind in Wirklichkeit schlagen möchte und was die Ursache dafür ist.

Techniken in der Therapie mit Puppen

Der Ablauf ist eigentlich immer ähnlich aufgebaut: Das Kind gibt ein Thema oder eine Geschichte vor. Das können Themen zu Phantasiegeschichten des Kindes sein, aber auch Erfahrenes aus der Realität. Danach werden die Rollen verteilt, wobei es sinnvoll ist, das Kind seine Rolle selbst wählen zu lassen. Der Therapeut übernimmt dann den Gegenpart. Egal um welche Rolle es sich handelt, der Therapeut muss sich ganz in diese Rolle hineinversetzen können und die auch überzeugend spielen. Ein Bösewicht muss ein Bösewicht sein, eine Hexe ist und bleibt eine Hexe, ein Kind ist hilfsbedürftig, eine Amtsperson muss streng und korrekt sein usw.

Nachdem die Rollenverteilung erledigt ist, kann die Puppe endlich übergezogen werden – danach gibt es kein Zurück mehr. Die Rolle muss konsequent gespielt werden. Der Therapeut agiert in völliger Identifikation, mit der übertragenen bzw. angenommenen Rolle der Puppe. Natürlich bleibt viel Spielraum für eine eigene Interpretation. Böse darf böse sein, es darf aber nicht ausarten. Hier sollte der Therapeut einen vernünftigen goldenen Mittelweg zu seiner Wortwahl finden.

Komplikationen während eines Spiels sind immer möglich

Natürlich kann es Mal passieren, dass ein Spiel nicht wunschgemäß verläuft. Dem Kind ist es ganz einfach zu langweilig geworden oder der Therapeut kann nicht erkennen, welche Botschaft das Kind vermitteln möchte. Erfahrene Therapeuten können auch eine solche Situation oftmals noch retten, indem sie sich weiter in die Rolle der Puppe einspielen und gleichzeitig eine zweite Puppe ins Spiel bringen. So können Therapeuten den Dialog komplett selbst führen und das Kind kann entspannt zuhören. Wenn das Kind mag, könnte es auch noch in das aktuelle Geschehen eingreifen, wenn es einer anderen Meinung ist.

Ein Dialog-Beispiel: „Ich würde gerne ein guter Polizist sein.“, „Du bist ein guter Polizist, du musst nur immer ganz ehrlich sein.“ Gefällt dem Kind der Verlauf des Dialoges nicht, wird es sich zu Wort melden und möchte dann wieder ins Spiel eingreifen. Was bei Kindern funktioniert, kann auch bei erwachsenen Personen durchaus funktionieren.

Diese Problematik kann öfters auftreten, wenn sich ein Kind mit der Person/der Puppe nicht so richtig identifizieren kann und somit weder die richtigen Fragen, noch Antworten bereit hat. Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein, die Person ist dem Kind zu wenig vertraut oder das Kind fürchtet sich und traut sich nicht so recht. Daher ist es sehr wichtig, dass der Therapeut im Vorfeld möglichst viel über das Kind und dessen Probleme erfährt. Anhand der Problematik kann der Therapeut dann dem Kind eine Auswahl von Puppen geben, die dem Problem entgegenkommen. Das Kind kann auch bestimmen wo das Spiel stattfindet; das vereinfacht die Ausgangssituation.

Es besteht auch die Möglichkeit ein Puppendoppel zu spielen, indem zwei gleiche Charaktere eingesetzt werden. Den einen Part übernimmt das Kind, den zweiten Part der Therapeut. Da beide Puppen die gleichen Interessen haben, können sie sich gegenseitig ermutigen und helfen.

Als weitere Option steht auch einem Puppenwechsel nichts im Wege, was natürlich nur in Gruppentherapien machbar ist. Ein Kind und ein Therapeut spielen ein Spiel, während die anderen Kinder einfach nur zuschauen. Dann kann das spielende Kind an ein anderes Kind abgeben, welches dann an dieser Stelle die Rolle übernimmt. Es kann neue Gedankengänge einbringen und, wenn es nichts mehr zu berichten weiß, auch wieder an das nächste Kind abgeben. Sowohl der Puppentausch, als auch der Rollentausch sind dem Psychodrama entsprungen. Der Rollentausch ermöglicht dem Kind eine Situation aus beiden Sichtweisen zu sehen. So kann das Kind mal Polizist sein und nach dem Rollentausch auch der Bösewicht. Spielend lernt das Kind, auch ab und zu eine andere Betrachtungsweise zu finden.

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